Blog » News

Villa Bettoni, Strenge und Architektur

Villa Bettoni, Strenge und Architektur

Die direkt am Gardasee gelegene Villa Bettoni ist ein Musterbeispiel für den in der Architektur vorherrschenden Perfektionismus, der insbesondere für die lombardische Aristokratie des 18. Jahrhunderts charakteristisch war und bietet einen Blick auf die traditionsreiche Stadt Bogliaco. Hier beschloss die Familie Bettoni, das repräsentativste und schönste Gebäude ihrer Dynastie errichten zu lassen – ein Unternehmen, das sich nur als gelungen bezeichnen lässt. Der Auftrag für das monumentale Gebäude wurde zunächst dem Architekten Adriano Cristofoli von Giandomenico Bettoni erteilt; die Zusammenarbeit mit diesem wurde jedoch bereits 1753 aufgrund diverser Missverständnisse wieder aufgekündigt. 1756 übertrug Graf Carlo Bettoni die ausführenden Arbeiten an der Villa dann schließlich dem rivalisierenden Architekten Antonio Marchetti.

Der zentrale Teil des Gebäudes wird durch eine Balustrade mythologischer Statuen verziert, Werke des Bildhauers Giovanni Battista Locatelli. Obwohl diese Statuen von der antiken Mythologie inspiriert sind, stellen sie durchaus gewollt auch Bezüge zum Leben der Familie Bettoni her. (So können beispielsweise Minerva und Merkur als Sinnbilder für deren militärische Karrieren interpretiert werden.) Die verschiedenen Flügel der Villa Bettoni werden in ihrem Zentrum durch das Wohnzimmer getrennt, in dem sich eine barocke Gemäldegalerie befindet, die u.a. Werke der Geschwister Beniamino und Fabrizio Galliari enthält. (Es gehörte zum guten Ton in der italienischen Aristokratie der damaligen Zeit, sich auf dem wachsenden Kunstmarkt als Mäzene zu engagieren.) Dieser prächtige Salon enthält jedoch nicht nur eine Kunstsammlung, die manche Galerie in den Schatten zu stellen vermag, sondern ermöglicht zudem einen direkten Ausblick auf den Gardasee.

Die vielleicht größte Sehenswürdigkeit der Villa Bettoni ist jedoch der spektakuläre italienische Garten, der ebenfalls in barockem Stil gehalten ist. Vom berühmtesten Landschaftsarchitekten seiner Zeit, Amerigo Vincenzo Pierallini, terrassenförmig entworfen und angelegt, beherbergt dieser Garten eine stimmige Gesamtkomposition aus Blumenbeeten, Zitronenbäumen, einem Nymphäum und einer großen Exedra, die alljährlich im April zum sogenannten Zitronenfest "Giardini d'Agrumi" , einem traditionellen Gartenmarkt, auch für Besucher geöffnet ist. Auch dieses Detail bleibt nicht ohne Bezug zur Geschichte der Bettoni, die ihren Wohlstand u.a. dem Anbau von Zitrusfrüchten verdankten und als landwirtschaftliche Pioniere der vorindustriellen Ära gelten können. Unvollendet blieb dagegen der im ursprünglichen Projekt mit eingeplante, kleine Tempel des Apollo.

​Wie viele Gebäude im Stil der entsprechenden Epoche, zeichnet sich auch die Villa Bettoni durch ihre verspielte Strenge aus, durch die sie sich zwar nahezu perfekt in die umgebende Landschaft einfügt, dieser aber dennoch einen unmissverständlichen Stempel der Autorität aufdrückt. Mit beeindruckender Liebe zum Detail entworfen, gehen Monumentalismus und Unbestimmtheit hier Hand in Hand, was ganz im Sinne der Auftraggeber und deren Wunsch nach Repräsentation geschehen sein dürfte. Noch heute präsentiert sich die Villa Bettoni unverändert und befindet sich noch immer im Privatbesitz derselben Grafenfamilie, die ihren Bau einst in Auftrag gab.